Die Straße ist ein kultureller Raum

Straße ist eine räumliche Option. Nicht nur Begleiterscheinung von Mobilität sondern ein Teil der Kulturgeschichte der Menschheit.

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Es gibt unendlich viele verschiedene Arten von  Straßen und Wegen. Die meisten Bezeichnungen für eine spezielle Art von Weg stammen im europäischen Raum von den Römern, die schon in der Antike die Straßenbaukunst zur Spitze trieben: Die >via<, war der einfache Feldweg, die befestigte oder bekieste Straße die >via strata<. Eine >via calceata<, war ein mit Mörtel oder Kalksteinen gebundener Belag, die >via rupta<, ein in Fels gehauener Weg, eine >via ruta<, ein in den Boden gegrabener Weg. Viele Begriffe im europäischen Sprachraum, erinnern heute noch daran: Chaussée, causeway, calcata, route, rue, road, chemin und cammino. [1]

Die Straße war seit jeher für den Menschen ein Werkzeug zur Erschließung, ein Hilfsmittel zum Transport, aber auch eine Möglichkeit des kulturellen Austausches. Auf ihnen wurden Handelsgüter transportiert, Militärs gruben sich durchs Land und es reisen Flüchtlinge auf Transitrouten quer durch die Welt. Doch in südlichen Ländern ist die Straße auch zu einem Lebensraum geworden, sie ist ein Ort der Begegnung und Bestandteil des Wohnraumes. Die Wechselwirkung von Mensch und Straße ist also vielfältig und zutiefst in der Kultur verankert.[2]  Einen kleinen Beitrag dazu soll das Operngasseforschungslabor leisten, eine Möglichkeit den Straßenraum zu verstehen und ihn neu zu entdecken. Straße ist eine Option und nicht nur Begleiterscheinung von Mobilität sondern ein Teil der Kulturgeschichte der Menschheit.

Im Februar und im März wird es wieder spannend in der Operngasse. Was passiert wird hier in den nächsten Tagen angekündigt.

Bodenhaftung nicht verlieren!

Eure Operngassenforscherin

[1] Hitzer, Hans (1971):
Die Straße. Vom Trampelpfad zur Autobahn ; Lebensadern von der Urzeit bis heute.
München: Callwey , S.7

[2] Ibd, S.8

 

Abbildung: Trittsteine über die Straßen Pompejis: Die Füße der Passierenden blieben trocken während die Straße vom Staub und Dreck gereinigt wurde –

Bild entnommen aus:

Rudofsky, Bernard (1995): Strassen für Menschen. Salzburg/Wien: Residenz Verlag., S.274

Wellnessresort Verkehrsinsel

Eine Neuinterpreation der Verkehrsinsel: Wellnessresort Girardipark. Die Operngasse bekommt Besuch vom Kollektiv Raumstation.

Völlig unberechtig, fristet sie ein einsames und unbemerktes Dasein: Die Verkehrsinsel. Wo sie doch vom Fluss der Betriebsamkeit umschlossen wird und ein perfekt abgeschiedenes Plätzchen auf dem Lonely Planet bietet.

Diese Vergessenheit bemerkte auch die Crew der Raumstation bei ihren ersten Sondierungen der Operngasse. Der Giradipark / Esperantopark liegt abgeschnitten zwischen Wienzeile / Friedrichstraße und Operngasse und bietet doch einen Platz zum Verweilen, so man diese Möglichkeit erkennt. Einzig Bustouristen und Besucher einer bekannten Fast Food Kette am Karlsplatz kennen diesen Ort und seine Möglichkeiten vielleicht. Das soll sich nun ändern.

An zwei Tagen wird die Insel mit Programm bespielt und kann via Audiowalks  begangen und erforscht werden. Auf dem Hochsitz kann mit der scheuen Spezies der Automobilist*innen Kontakt aufgenommen werden. Auch Entspannung ist dem und der Inselbesucher*in garantiert: Ob bei Sauna und Tee oder beim Rodeln mit Walter kann der Winter in  vollen Zügen genossen werden. Ob da noch Zeit für eine Insel – Safari ist kann der/die Urlauber*in selbst entscheiden.

Das genaue Programm und die Voranmeldung für die einzelnen Aktivitäten ist hier zu finden:

Verkehrsinsel Resort

Datum: 16. und 17.12. 2017 von 12:00 – 17:00

Ort: Giradipark/Esperantopark, 1010 Wien

Es freut sich auf diese vorweihnachtliche Entspannung!

Die Operngassenforscherin

 

Kollektiv Raumstation

 

Meine Rolle als urbane Kuratorin

Urban Curating, ein Begriff, den ich von Elke Krasny, übernommen haben beschreibt die Übertragung der KuratorInnenrolle auf die Stadt. Es soll sich wieder in die Angelegenheiten der Stadt eingemischt werden.

Die Tätigkeit des Kurators/ der Kuratorin scheint in letzter Zeit, eine sehr beliebte geworden zu sein. Der Tagesspiegel schreibt im Artikel „Traumjob Kurator“dazu am 14.07.2011 sogar:

‚Wo man hinsieht, sind Kuratoren am Werk. Sie kuratieren nicht nur Kunstausstellungen, sie kuratieren auch Tanz- und Theaterfestivals, Modeschauen und Magazine. […] Früher wollten junge Menschen mit Geltungsdrang Musiker werden. Später DJ. Dann vielleicht Künstler. Heute, so scheint es, wollen plötzlich alle Kuratoren werden.‘

Ich beziehe meine Arbeit aber nicht auf das Feld des Museum oder auf das Format der Ausstellung, vielmehr möchte ich den Begriff des Kümmerns: ‚curare‘ wieder in den Vordergrund rücken.  Es geht mir um den öffentlichen Raum um das Einmischen in Angelegenheiten des Städtischen. Im Speziellen um die Operngasse. Dort neue Querverbindungen zu suchen, Ungeplantes aufzustöbern, das versteckte Qualitäten hat und Nutzungen zu finden, die zwischen den vorgesehenen Nutzungen entstehen können oder zeitlich davon abweichend stattfinden. Dies ist mein Ziel als ‚urban curator‘. Neue Konstellationen zu finden und Dinge, physische als auch ideologische in einen neuen Kontext zu stellen.

Die Operngasse und ich spreche jetzt hauptsächlich vom Straßenraum ist zu einem Ort geworden, der hauptsächlich zwei Funktionen bedient: Mobilität und Konsum.  Beides findet in rasendem Tempo statt und lässt wenig Anderes zu. Hier sehe ich einen möglichen Ansatzpunkt.  Die Operngasse und der Faktor Zeit etwa sind etwas, das sich lohnt genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie schnell bewegt sich wer , wo auf der Gasse und warum? Wodurch werden die Bewegungsräume eingeschränkt oder zugelassen? Wo darf ich Verweilen? Wo gibt es einen Platz für Sinnlichkeit und Ästhetik in dieser gottverlassenen Gasse? Das und Vieles mehr gilt es in den nächsten Wochen herauszufinden.

Zu diesem Zweck habe ich unter anderem die Raumstation eingeladen, die Operngasse zu erobern.  Wer diese Leute sind dazu gibt es bald näheres.

Es bedankt sich für die Aufmerksamkeit,

die Operngassenforscherin